Startseite

Ein Tag für die Bildung

Staatssekretär Dr. Frank Mentrup besucht gemeinsam mit Dr. Kai Schmidt-Eisenlohr MdL den Wahlkreis Wiesloch

Der parlamentarische Staatssekretär im Kultusministerium Dr. Frank Mentrup war auf Einladung des grünen Landtagsabgeordneten Dr. Kai Schmidt-Eisenlohr zu einer halbtägigen Bildungstour in der Region gekommen.

Zum Auftakt wurde der Paul-Gerhard Kindergarten in Nußloch besucht. Hier nahmen sich die Politiker, im Beisein zahlreicher Gemeinderäte ausführlich Zeit, die im Ausbau befindliche Einrichtung in Augenschein zu nehmen, zumal die frühkindliche Bildung im besonderen Zuständigkeitsbereich des Staatssekretärs im Kultusministerium liegt.

Durch die neuen Fördermöglichkeiten stehen beispielsweise der Gemeinde Nußloch zusätzlich 422.000 Euro für den Ausbau von Betreuungsplätzen für Kinder unter drei Jahren zur Verfügung. Der Paul-Gerhard-Kindergarten in Nußloch hat diese Herausforderung angenommen und sein Betreuungsangebot für die unter 3Jährigen in den letzten Jahren ausgebaut. Davon konnten sich die beiden Landesvertreter bei der Führung, überzeugen. Entdeckungsinsel, Bewegungsraum oder Außenspielbereich, überall zeigte sich, dass mit viel Engagement und Sinn für Kreativität auch in den schwierigen Umbauphasen gute Zwischenlösungen gefunden wurden.

„Es ist schön zu sehen, wie abstrakte Regierungsbeschlüsse in konkrete Verbesserungen vor Ort umgesetzt werden“, freute sich der Landtagsabgeordnete Schmidt-Eisenlohr am Ende der Veranstaltung, ehe es zum nächsten Termin, dem  Runden Tisch mit den Rektorinnen und Rektoren der weiterführenden Schulen in Walldorf aufbrach.

„Ich halte den Austausch mit den Menschen, die die Veränderungen in der Bildungslandschaft zu bewältigen haben für sehr wichtig“, sagte MdL Schmidt-Eisenlohr am Rande der Veranstaltung, weshalb er die Rektoren schon zum zweiten Mal zum Meinungsaustausch eingeladen hat. „Gerade in diesem sensiblen Bereich, wo es unmittelbar um die Chancen unserer Kinder geht, sind wir auf einen permanenten Austausch von Informationen angewiesen.“

Man traf sich diesmal im Walldorfer Schulzentrum und die regionale Rektorenschaft war nahezu vollzählig vertreten. Mit am Runden Tisch saßen auch der Walldorfer Gemeinderat und Kreisrat Wilfried Weisbrod, sowie der Sprecher der Grünen Kreistagsfraktion Ralf Frühwirt.

Nach der Begrüßung durch die Rektorin und einigen einführenden Worten durch den grünen Abgeordneten Schmidt-Eisenlohr gab Dr. Mentrup einen Überblick über die wesentlichen Veränderungen im schulischen Bereich seit Regierungsantritt. Der Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung war dann auch ein großes Diskussionsthema, gerade unter den Rektoren der hiesigen Werkrealschulen, die davon am meisten betroffen sind. „Durch die freie Wahlmöglichkeit der Eltern sei ein Prozess der schleichenden Ausdünnung der Werkrealschulen lediglich beschleunigt worden“, erläuterte der Staatssekretär Mentrup. „Dadurch steige der Druck auf die Schulträger, sich Gedanken über die Weiterentwicklung der Schullandschaft vor Ort zu machen“, so der Bildungspolitiker weiter.

„Die Entwicklung von Schulentwicklungsplänen wurde in einzelnen Kommunen schon angegangen, ist aber qualitativ noch sehr unterschiedlich“, umriss Kai Schmidt-Eisenlohr die Problematik in der Region. Aus den Reihen der Rektorenschaft kam zu diesen Veränderungen ein differenziertes Echo. Teils wurde das absehbare Verschwinden der Werkrealschulen bedauert, teils wurde der Veränderungsdruck sehr positiv wahrgenommen.

Ein weiterer wichtiger Punkt, der von den Rektoren angesprochen wurde, war die Lehrerversorgung. Insbesondere die gewerblichen Schulen haben hier schon seit Jahren mit einer strukturellen Unterversorgung zu kämpfen. Im Schnitt 4,5% zu wenig Stunden in den Kernfächern seien auf Dauer nicht tragbar. Frank Mentrup verwies darauf, dass ein Großteil der Lehrerstellen, die durch die demographische Rendite frei werden – sowie durch das achtjährige Gymnasium – im System verblieben und zur Verringerung des Stundenausfalls und zum Abbau der Überstunden genutzt würden.

Viele weitere Themen wurden im Laufe der Diskussion angesprochen, wobei immer wieder das große Engagement der Rektoren und Rektorinnen für ihre Schulen, die Weiterentwicklung der Bildungslandschaft und die ihnen anvertrauten Kinder deutlich wurde. Staatssekretär Mentrup beeindruckte durch sein großes Fachwissen und die ruhige Art es zu vermitteln. Damit wurde dieser zweite Runde Tisch Bildungspolitik zu einem sehr intensiven Meinungsaustausch zwischen Praktikern und Politik, der im Herbst seine Fortsetzung findet.

Zum Abschluss des Tages gab es am Abend in Sandhausen einem öffentlichen Informations- und Gesprächskreis zum Thema „Neue Wege in der Bildungspolitik“.

Unter den Gästen fanden sich viele Erzieherinnen, Lehrerinnen und interessierte Bürger ein. Einleitend umriss Dr. Mentrup die bisherige politische Agenda seit dem Regierungswechsel im März 2011, die als „Pakt für Familien mit Kindern“ zwischen Land und Kommunen vereinbart wurden.  Zunächst wurde die Kleinkindbetreuung der unter 3-Jährigen finanziell ausgebaut. Durch Erhöhung der Grunderwerbssteuer konnten den Kommunen 300 Millionen Euro für den Ausbau bereitgestellt werden, weitere 11 Millionen Euro für die Sprachförderung in den Kindergärten. Die Sprache stellt eine der Schlüsselkompetenzen für die persönliche Entwicklung dar. Die Bildungspolitiker hier im Land sind bestrebt den Wirrwarr an zurzeit bestehenden Förderangeboten zu entzerren und zukünftig in sinnvolle, nachhaltige und flächendeckende Fördermaßnahmen zu lenken. Langfristig soll auch die verbindliche Umsetzung des Orientierungsplans als wichtiges Instrument bei der frühkindlichen Bildung Ziel sein, u.a. durch die Maßnahme der Leitungsfreistellung.

Ausführlich wurde mit den Zuhörern über einen bedarfsgerechten Ausbau von Betreuungsangeboten für Kinder unter 3 Jahren gesprochen. Der Rhein-Neckar-Kreis ist attraktiv für junge Familien und seit Jahren Zuzugsgebiet. Gute und vor allem flexible Betreuungsangebote sind von daher gefragt. Gerade in dieser Hinsicht tun sich viele Kommunen noch schwer und treiben den Ausbau nicht sinnvoll voran. „Die Kommunen müssen sich bewusst sein, dass erst der Ausbau und das bestehende Angebot den tatsächlichen Bedarf sichtbar werden lässt , betonte der grüne Landtagsabgeordnete Schmidt-Eisenlohr. „Dort wo die Kommunen Geld in die Hand nehmen und den Ausbau vorantreiben, werden die Betreuungsplätze auch in Anspruch genommen“, ist sich Schmidt-Eisenlohr sicher.

Ein weiterer Themenschwerpunkt war der Fachkräftemangel bei den Erzieherinnen. Vor dem Hintergrund, dass in Westdeutschland demnächst circa 20 000 Erzieherinnen und Erzieher fehlen werden verbunden mit dem Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz ab 2013 hat sich das Kultusministerium verschiedene Maßnahmen überlegt. Um beispielsweise Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger mit sozialer Vorbildung aber auch aus anderen Berufsfeldern für die Frühpädagogik zu gewinnen, plant das Kultusministerium zukünftig eine praxisintegrierte Ausbildung gemeinsam mit Fachschulen für den Beruf der Erzieherin anzubieten. „Klar ist einfach, dass zukünftig zusätzliche Anreize geschaffen werden müssen, um andere Zielgruppen und Seiteneinsteiger für das Berufsfeld des Erziehers zu gewinnen“, sagte der parlamentarische Staatssekretär im Laufe der Diskussion.

Auch beim Thema Schule kam zum Abschluss der Gesprächsrunde der Betreuungsbedarf zur Sprache, wo insbesondere auch die Zusammenarbeit mit den Eltern gefragt ist. Als ersten Schritt beteiligt sich das Land ab diesem Jahr zu einem Drittel an den Kosten der Schulsozialarbeit bis zu einem Betrag von 15 Mio. €. Da aber an vielen Schulen ein Ganztagsangebot die geeignetere Möglichkeiten für eine gute Betreuung bieten würden, will die neue Landesregierung zukünftig die Ganztagsschule im Schulgesetz verankern. „Die Ganztagsschule soll nicht mehr länger den Status eines Versuchs haben, sondern im Schulgesetz festgeschrieben werden. Schließlich trage eine Ganztagsbetreuung zur Entlastung der Eltern bei, sie sorge für Familienfreundlichkeit und ein verbessertes Familienklima, auch die Noten der Schüler in den Kernfächern würden sich günstig entwickeln“, unterstrich Schmidt-Eisenlohr. „Durch eine Verankerung im Schulgesetz bestünde für die Kommunen Planungssicherheit und Verlässlichkeit“, erläutere der grüne Landtagsabgeordnete weiter.

Aus dem Publikum wurde das fachlich kompetente Gespräch in dieser Form gelobt. Da der Abend nicht ausreichte, um alle Themen im Bildungsbereich anzusprechen,  sagte Schmidt-Eisenlohr zu,  die Informations- und Gesprächskreise regelmäßig fortzusetzen. Als nächstes plant er für den Bereich Bildung eine Veranstaltung  speziell zum Thema Gemeinschaftsschule.