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Asyl - ein Ort zum leben

Der Kreisverband Odenwald-Kraichgau hatte zu einem Abend mit Anregungen und Erfahrungsaustausch eingeladen. Ein Beitrag, um das vielfältige Bemühen in der Region zu unterstützen: für Flüchtlinge Asyl im wörtlichen Sinne zu gestalten.

Die Berichte der drei Referentinnen regten die Diskussion an, es gab zahlreiche Fragen und Beiträge aus dem Publikum. Aus vielen Gemeinden waren ehrenamtlich Engagierte anwesend und brachten sich ein. So wurde u.a. aktuell von den Erfahrungen in Waibstadt berichtet.

Auch aus Gemeinden, die gerade erst Flüchtlingsunterkünfte einrichten oder dies erst noch planen, waren Interessierte ins "Lamm" nach Meckesheim gekommen. Für sie gab es zahlreiche Tipps, um die Aufnahme gut vorzubereiten.

Hinweise der Referentinnen zum Weiterlesen

Elisabeth Kramer: Broschüre Weinheim

Petra Groesser: Script folgt

Dr. Edith Wolber: Interkulturelle Kompetenz

 

Bericht Rhein-Neckar Zeitung 9.12.2014

Meckesheim.(fi). Sind das die Orte zum Leben? Wie steht es um die viel gerühmte und oft zitierte „Willkommenskultur“ für Vertriebene, Asylsuchende und Flüchtlinge hierzulande? Die Grünen wollten Antworten auf diese Fragen und hatten ins „Lamm“ nach Meckesheim eingeladen. Das Nebenzimmer war bestens gefüllt, das Interesse, Neues kennenzulernen und zu erfahren, wie es in anderen Orten aussieht, war spürbar.

Elisabeth Kramer, Fraktionsvorsitzende GAL in Weinheim, berichtete als Lokalpolitikerin über die Situation in einer Großen Kreisstadt. In Weinheim hatte das Thema mit dem inzwischen begonnenen Bau des Rhein-Neckar-Kreises von nunmehr drei getrennten Gemeinschaftsunterkünften in letzter Zeit für Zünd- und Gesprächsstoff gesorgt. „Vernetzung ist das Stichwort“, meinte Elisabeth Kramer und wies auf den kirchlichen Asylkreis hin, der sich in den 80er-Jahren gegründet hatte und sich nun wieder neu einbrachte. „Ich empfehle dringend, einen Verein zu gründen, dann hat alles mehr Gewicht sowie Hand und Fuß.“ Konkret wurde die Referentin bei praktischer Unterstützung der Asylsuchenden. „Behördenkontakte herstellen, ein Fahrrad bekommen und Verkehrsverhalten lernen, das sind beispielsweise erste Ansätze.“ Auf jeden Fall sollten Häuser in der Nähe sein, Unterkünfte am Ortsrand würden Probleme machen.

Petra Groesser, Grünen-Stadträtin in Neckargemünd und aktiv im dortigen Asylarbeitskreis, führte die Liste der direkten Unterstützung fort. Es gebe keine Straßenbeleuchtung und keine nach Geschlechtern getrennten Sanitäreinrichtungen in Neckargemünd. So seien 13 Familien in der Sammelunterkunft in der Walkmühle untergebracht. „Mit Taschenlampen sind die Menschen derzeit abends in die Stadt unterwegs“, berichtete Groesser.

Die ehrenamtlichen Helfer des Asylkreises begleiten Asylsuchende bei Amts- und Arztbesuchen, in den Kindergarten oder in die Schule, versuchen Elternbriefe verständlich zu übersetzen oder sind bei Elternabenden dabei. „Erstens ist es wichtig, Vertrauen aufzubauen, dann Netzwerke und Beziehungen zu vermitteln.“ Dolmetscher werden ab und zu benötigt. „Da haben wir uns einen Pool aufgebaut, aber auch diese Freiwilligen sind nicht immer erreichbar“, sagte Petra Groesser. Schüler unterrichten Flüchtlingskinder in Deutsch und werden aus einem Spendentopf finanziert. Gut wären natürlich Sprachkurse über die Volkshochschule. „Die Menschen warten hier auf Zukunftsperspektiven, unser Wunsch wäre ein Pate pro Familie.“ Aber auch die Supervision für die Ehrenamtlichen selbst sei dringend nötig: „Besten Willen vorausgesetzt, aber es besteht auch hier professioneller Bedarf.“

Edith Wolber, Ethnologin und Mediatorin im interkulturellen Bereich, ging auf den respektvollen Umgang mit den Menschen ein. „Keiner kommt freiwillig, die Asylsuchenden leben in einer äußeren und inneren Emigration, sind auf sich und ihre Familie fixiert“, sagte sie. Interkulturelle Kompetenz sei gefordert, „wir sind Türöffner“. Auf zwei Säulen beruhe das Bild: nämlich auf der Frage „Wer bin ich in meiner eigenen Kultur und welches Verständnis habe ich in Bezug auf meine Selbstreflektion?“. Es sollte eine Beziehung auf Augenhöhe sein mit Dialogfähigkeit, mit der man den Fremden begegnet. „Dabei muss man auch Widersprüche aushalten können, Menschsein bedeutet Leben in Pluralität“, sagte Edith Wolber.

Dass aufgrund der Initiativreferate zahlreiche Fragen aus dem größtenteils weiblichen Publikum auftauchten, davon war auszugehen. Details wurden nachgefragt, die aufgrund der Erfahrungen der Referentinnen auch intensiv beantwortet werden konnten. Das Interesse ist erkennbar stark, sich zu engagieren. Und so wird das Thema „Asyl – ein Ort zum Leben“ sicher zu einer positiven Willkommenskultur beitragen.

Quelle: RNZ Region Heidelberg vom Dienstag, 9. Dezember 2014, Seite 5
Fotos und Artikel: Roland Fink

Einladung: Asyl - ein Ort zum leben

Was braucht es, um Flüchtlinge im Sinne einer Willkommenskultur aufzunehmen?

Donnerstag, den 27. November 20 Uhr in Meckesheim

Gasthaus "Zum Lamm", Friedrichstr. 6 - nicht barrierefrei !

Landkreis, Kommunen und die Bevölkerung - wir alle sind derzeit gefordert, für eine große Zahl von Flüchtlingen die Unterbringung so zu gewährleisten, dass Asyl ein Ort zum leben wird.
Ehrenamtliche in den Asylarbeitskreisen leisten umfassende Hilfe für die Menschen, die als Flüchtlinge zu uns kommen. Die Begegnungen und der Kontakt verstärken gesellschaftliche Akzeptanz und Solidarität.

Der Kreisverband Odenwald-Kraichgau von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN lädt alle Interessierten, alle Aktiven in der Flüchtlingsarbeit und alle KommunalpolitikerInnen zu einem Abend mit Anregungen und Erfahrungsaustausch für das Engagement vor Ort ein.

Drei Kurzberichte dienen als Anregung für die Gespräche des Abends:

Wie können Kommunen und Bevölkerung die Aufnahme von Flüchtlingen vorbereiten und gestalten?

Elisabeth Kramer, Fraktionsvorsitzende GAL in Weinheim

Welche Fragen tauchen auf und welche Unterstützung brauchen Ehrenamtliche in der Flüchtlingsbetreuung?

Petra Groesser, Gemeinderätin, Asylarbeitskreis Neckargemünd

Was erleichtert es, Menschen aus anderen Kulturen vorurteilsfrei und respektvoll begegnen zu können?

Dr. Edith Wolber, Ethnologin, Mediatorin im interkulturellen Bereich

Nicht barrierefrei ! Der Veranstaltungsraum befindet sich im Obergeschoss, leider nur über Treppe erreichbar.