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Strahlendes Ende

„Das Abschalten der Atomkraftwerke ist nicht das Ende des Risikos“ so die einleitenden Worte von Wolfgang  Neumann bei einer Veranstaltung in Meckesheim mit dem Titel „strahlendes Ende“ .

Der grüne Kreisverband Odenwald-Kraichgau hatte den Physiker und kritischen Atomkraftexperten Wolfgang Neumann zum Thema  „Schutz vor Risiken beim Abbau von Atomkraftwerken“  sowie die Bundestagsabgeordnete und atompolitische Sprecherin der grünen Fraktion Sylvia Kotting-Uhl zum Thema „Endlagersuche“ eingeladen.

Sorgfältige Planungen unter Berücksichtigung größtmöglicher Sicherheitsvorkehrungen seien Voraussetzung beim Abbau der AKW, um das Risiko so gering wie möglich zu halten, führte Neumann aus. Während der Nachbetriebsphase der abgeschalteten Atomkraftwerke werde zwar das Radioaktivitätsinventar durch das Entfernen der Brennelemente aus der Anlage deutlich reduziert. Dennoch berge sowohl das Brennelemente-Lager als auch die gesamte Anlage weiterhin ein sehr hohes Gefahrenpotenzial.

Eine Bestandsaufnahme der radiologischen Belastung aller Teile der Anlage, ein Abstimmen der einzelnen Arbeitsschritte sowie Vorsorge für mögliche Störfälle seien nur ein paar der Voraussetzungen zur  Risiko-Minimierung. Alle möglichen Störfälle und  Szenarien, die eintreten könnten, wie z.B. Abstürze von Behältern, Brand in einem Anlagenteil, äußere Einflüsse wie z.B. Erdbeben oder  Flugzeugabstürze, müssen im Abbau-Konzept Berücksichtigung finden.

Während der ersten Abbauphase wurden  in Obrigheim die nicht oder nur wenig radioaktiven Teile der Anlage abgebaut. Im Zuge der zweiten Abbauphase  folgen jetzt  höher radioaktive Teile. Damit steige auch die Gefahr, dass es bei Störfällen zu einer ungewollten Strahlenbelastung innerhalb und außerhalb der Anlage kommt.

„Bei den Genehmigungsverfahren spielt  die Öffentlichkeitsbeteiligung eine wichtige Rolle“, beschrieb Neumann seine Erfahrungen als Gutachter. „Durch das Hinzuziehen von unabhängigen Sachverständigen haben Anwohnerinnen dabei die Möglichkeit ein größeres Expertenwissen einfließen zu lassen. Dies führt in der Regel zu mehr Sicherheit und damit zu mehr Schutz von Mensch und Umwelt.“

Anwohnerinnen des AKW Obrigheim haben Klage beim Verwaltungsgericht Mannheim gegen die zweite Silllegungs- und Abbaugenehmigung eingereicht. Neumann wurde von den Klägerinnen und deren Initiative AtomErbe Obrigheim als Sachverständiger hinzugezogen. Die Gruppe fordere seit langem eine weitere Öffentlichkeitsbeteiligung, die bisher nur zum ersten Genehmigungsantrag stattgefunden hatte. Dabei waren die ausgelegten Unterlagen allerdings so ungenügend, dass selbst die Reaktorsicherheitskommission 2007 nur eine Stellungnahme für die erste Genehmigung abgab. Für die Beurteilung des weiteren Vorhabens reichten nach Ansicht der RSK die vorliegenden Unterlagen nicht aus.

Im zweiten Teil des Abends behandelte die Bundestagsabgeordnete Sylvia Kotting-Uhl das Thema der Endlagersuche: „Nicht nur die Betroffenheit der Anwohner, sondern auch die gesamtgesellschaftliche Verpflichtung, in Deutschland ein Endlager einzurichten, müssen offen thematisiert werden“.  Ihr sei es ein besonderes Anliegen, die Bevölkerung von Anfang an am Suchverfahren teilhaben zu lassen. Als Mitglied im Untersuchungsausschuss zu Gorleben erlebe sie das riesige Misstrauen im Wendland rund um den Standort Gorleben.  Die jahrzehntelang erzwungene und nicht auf sachlichen Kriterien beruhende Vorbereitung des Salzstocks als Atommüll-Endlager habe dort fatale Folgen: „Die glauben niemandem mehr!“ Das dürfe sich nicht wiederholen.

Für das Endlagersuchgesetz sei ein breiter Konsens zwischen den Parteien wichtig, um eine Einigung zwischen Bund und Ländern zu erreichen. Allerdings sieht die Abgeordnete derzeit noch keinen Vorschlag des Umweltministers, mit dem sich ihre Fraktion zufrieden geben könne.
Höchstmögliche Sicherheit zu erreichen sei auch beim Endlager das Wichtigste.

„Wir haben immer dafür gekämpft, dass kein Atommüll produziert wird, weil wir es für unverantwortlich halten. Trotzdem haben wir die Pflicht, an der Lösung der Probleme mitzuwirken“,  beschreibt Kotting-Uhl die schwierige Aufgabe.